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März 2021

Er machte Hörbücher tragbar

Erinnern Sie sich noch an die Zeit der guten alten, aber oft störrischen Kassette? An jene Tage, als man zwar endlich Hörbücher auf einem tragbaren Abspielgerät hören konnte, dieses aber nur zu gern die Bänder fraß und nichts als ein Bandsalat übrig blieb? Zu verdanken haben wir die revolutionäre Erfindung dem niederländischen Ingenieur Lou Ottens, der am 6. März im Alter von 94 Jahren verstarb

Die Kassette, die 1963 erstmals auf einer Elektrofachmesse in Berlin präsentiert wurde, machte ihn berühmt. Bereits als kleiner Junge baute er ein Radio, 1952 fing er bei Philips an zu arbeiten, wo er 1960 die Leitung der Entwicklungsabteilung übernahm und das von ihm entworfene tragbare Tonbandgerät EL 3585 veröffentlichte. Da ihm die Tonbänder aber viel zu groß erschienen, entwickelte er ein Medium, das so klein war, dass es in jede Jackentasche passte. Davon profitierten nicht nur Musikliebhaber, sondern auch all jene, die kein herkömmliches Buch lesen konnten und auf Audiobücher angewiesen waren. So war die Kassette auch für die Hörbücherei für viele Jahrzehnte der wichtigste Tonträger. 2011 wurde der Verleih der Hörbücher auf Kassette schließlich einstellt. Abgelöst wurde sie von der CD, an deren Entwicklung Lou Ottens ebenso maßgeblich beteiligt war.

Gänzlich verschwunden ist das Medium aber bis heute nicht, denn in kleineren Auflagen findet man sie wieder vermehrt auf dem Markt. Über dieses Revival konnte sich Lou Ottens nur wundern, denn nichts sei besser als die CD, die so ganz ohne klangliche Verzerrungen auskommt. Eines steht jedenfalls fest: Ohne Lou Ottens  wäre die Entwicklung vom Tonband zur CD womöglich ganz anders verlaufen.